Reden über Europa 2008
Die Reihe ist eine Initiative der Allianz Kulturstiftung in Zusammenarbeit mit dem Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM), dem Tanzquartier Wien, dem Burgtheater Wien und der österreichischen Tageszeitung "Der Standard".

Burgtheater Wien
Als die Allianz Kulturstiftung im Frühjahr 2006 die Veranstaltungsreihe Reden über Europa in München begann, befand sich Europa in einer tiefen Depression. Der Schock darüber, dass eine Mehrheit von Franzosen und Holländern gegen den EU-Verfassungsvertrag gestimmt hatten, saß allen überzeugten Europäern noch in den Knochen. Mit dem Grundlagenvertrag, den die deutsche Ratspräsidentschaft im Juni 2007 ausgehandelt hat, scheint diese Krise und der nachfolgende lähmende Stillstand im europäischen Integrationsprozess zunächst überwunden. Doch gibt uns dieser euphorisch als ‚Gemeinschaftswerk’ bezeichnete Rumpfvertrag wirklich Grund zur Freude und Zufriedenheit?

Fehlende Bürgernähe und Demokratiedefizit sind zwei wichtige Kritikpunkte an dem bürokratischen Steuerungsmodus der EU, der weiterhin vorherrscht. Um den Bürgern die Sinnhaftigkeit des Projektes Europa wieder zu vermitteln und ihm eine neue Legitimität zu geben, müssen die wichtigen Fragen des Einigungsprozesses deshalb von einer europäischen Öffentlichkeit diskutiert und mit gestaltet werden können. Nur eine europäische Zivilgesellschaft kann dem Zukunftsprojekt Europa die heute fehlende Bürgernähe und Legitimation verleihen.
Mit den Reden über Europa möchten wir einen Beitrag zu jener European Public Sphere leisten, in der wichtige Fragen des europäischen Einigungsprozesses öffentlich debattiert und – in Zukunft vielleicht auch einmal - mit entschieden werden. Europa bleibt ein Zukunftsprojekt, das wir aus unterschiedlichen Perspektiven ständig neu definieren und in die Öffentlichkeit vermitteln müssen. Denn zu einer europäischen Identität werden die nächsten Generationen nur dann finden, wenn sie Europa nicht mehr als Summe nationaler Interessen und miteinander konkurrierender Geschichtsschreibungen verstehen, sondern von einem gemeinsamen Erwartungshorizont her neu erfinden.

Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung stellte sich auch der neu gegründete think tank zur europäischen Außenpolitik „European Council on Foreign Relations“ vor.
Diskussionsteilnehmer der "Reden über Europa" in Wien waren:
- Giuliano Amato
- Bazon Brock
- Michael Bünker
- Daniel Cohn-Bendit
- Joschka Fischer
- Halleh Ghorashi
- Anthony Giddens
- Alfred Gusenbauer
- Jennifer L. Hochschild
- Sybille Krämer
- Konrad Paul Liessmann
- Hans Ulrich Obrist
- Tariq Ramadan
- Karel Schwarzenberg
- Anne-Marie Slaughter
- George Soros
Fortführung Anfang 2009
Nach dem großen Erfolg der "Reden über Europa" in Wien und im Vorjahr in München wird die Diskussionsreihe ab Anfang 2009 in der Berliner Staatsoper fortgeführt.