Wiedervorlage: Nationalkultur
Symposium vom 24. bis zum 26. April 2008 auf der Museumsinsel in Berlin. Eine Veranstaltung des Goethe-Instituts in Partnerschaft mit den Staatlichen Museen zu Berlin (SMB), in Zusammenarbeit mit der Japan Foundation, der Allianz Kulturstiftung und dem Auswärtigen Amt.

Wie gestaltet sich nationale Kulturarbeit in einer zunehmend globalisierten und immer stärker über die nationalen Grenzen hinaus auf Europa orientierten Gesellschaft? Mit dem Symposium "Wiedervorlage: Nationalkultur" im April 2008 in Berlin stellte sich das Goethe-Institut dieser Frage: Künstler, Intellektuelle und Politiker unterschiedlicher Generationen und Länder debattierten über aktuelle Entwicklungen, um gemeinsam Perspektiven für den internationalen Kulturaustausch zu eröffnen.
Die Eröffnungsrede hielt Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Teilnehmer waren unter anderem die US-Soziologin Saskia Sassen, der Schriftsteller Amin Maalouf, der Philosoph Michail Ryklin, der Historiker Karl Schlögel, der Direktor des Instituto Cervantes Frankfurt a. M. Ignacio Olmos, der Soziologe Heinz Bude, der Autor Hans-Ulrich Treichel, der Intendant Ulrich Khuon, der Regisseur Thomas Schadt und der Generaldirektor der SMB Peter-Klaus Schuster.
Die Angst der Deutschen vor Worten wie "national"
Auf der Eröffnungsveranstaltung fragte die Journalistin Mely Kiyak, wie sich die Fremden mit Deutschland identifizieren könnten, wenn es die Deutschen selbst nicht schafften. Die Deutschen hätten Angst vor Worten wie "national", "deutsch" oder "Kultur"; der Begriff "Nationalkultur" sei deswegen diskutabel. Mely Kiyak richtete den Fokus auf Deutsche mit Migrationshintergrund und betonte, dass Migranten Bestandteil der Gegenwartskultur sind und dies von der Gesellschaft auch wahrgenommen werden müsse: Nationalkultur muss nicht homogen sein – Kultur ist Dialog.
Kultur als dritte Säule der Außenpolitik
Der Bundesminister des Auswärtigen Amtes Frank-Walter Steinmeier eröffnete einen außenpolitischen Blick auf die Fragestellung und erklärte, der Wille zum Verstehen bedeute Dialog. Der erste Schritt sei also das Zuhören, der zweite ein direktes und unmittelbares Gespräch. Er lobte das Symposium als Gelegenheit, sich über das Selbstbild der westlichen Zivilisation Gedanken zu machen. Was sind westliche Werte? Wie werden sie in aller Welt verstanden? Steinmeier erklärte, Deutschland erringe Achtung durch seine kulturelle Arbeit. Er selbst werde von seinen Gesprächspartnern im Ausland immer wieder auf die deutsche Kunst, Architektur, den Film und manchmal auch auf die Musik angesprochen. "Die Politik hat der deutschen Kunst viel zu verdanken", gab der Vize-Bundeskanzler zu. Das Diktum von Willy Brandt, dass Kultur die dritte Säule der Außenpolitik sei, habe immer noch Gültigkeit. Steinmeier zufolge müsse die Kultur weiterentwickelt werden, gleichzeitig aber eigenständig bleiben und weltoffen sein.

Nationales kulturelles Erbe oder Aufweichung der nationalen Grenzen im Zuge der Globalisierung?
Wir leben heute im Spannungsfeld eines scheinbar unauflöslichen Paradoxes: die Integrationsdebatte im Inland, das Streben nach Aufweichung nationaler Grenzen zugunsten eines sich auch kulturell definierenden Europas und die Wirklichkeit weltweiter Globalisierung lassen eine klare Trennlinie zwischen Innen und Außen nicht mehr zu. Wie aber können wir gleichzeitig unser nationales kulturelles Erbe pflegen und dem Postulat des "going global" gerecht werden?
Eingeleitet wurde die Debatte von der US-amerikanischen Soziologin Saskia Sassen, die über "Das Paradox des Nationalen" sprach. Anschließend näherten sich acht Foren der Thematik geografisch, historisch und künstlerisch.

- Forum 1: Zurück in die Zukunft? Nation und Kultur im östlichen Europa
- Forum 2: Von der Nationalkultur zur Kulturnation? Tendenzen im westlichen Europa
- Forum 3: Nationalkultur und Regionale Integration in Asien
- Forum 4: Postnationale Geschichtsbilder?
- Forum 5: Vom "deutschen Klang": Wie national ist die Musik?
- Forum 6: Bühne der Nation - ein Geltungsanspruch des Gegenwartstheaters?
- Forum 7: Fernsehen: das Wohnzimmer der Nation?
- Forum 8: Nationale Sammlungen und universale Kulturgüter
Zum Abschluss diskutierten Vertreter der Staatlichen Museen zu Berlin mit Partnern aus der internationalen Museumslandschaft über den Funktionswandel des Museums und der Kulturrezeption in einer globalisierten Welt.
Projektpartner: Goethe-Institut, Staatliche Museen zu Berlin (SMB), Japan Foundation und das Auswärtige Amt
Projektzeitraum: 24.-26. April 2008
Projektort: Altes Museum, Bode-Museum, Friedrichswerdersche Kirche und das Pergamonmuseum, Berlin.