Kommunalka
In einem interdisziplinären Kunst- und Kulturprojekt sind zwischen dem 3. und 5. Juni 2010 in Berlin lebende osteuropäische Mitbürger zu Wort gekommen.
Als "Kommunalka" wird in Russland und Teilen der Ex-Sowjetunion eine Form der Wohngemeinschaft bezeichnet, bei der sich mehrere Familien eine Etagenwohnung teilen. Sanitäreinrichtungen und Kochplätze werden dabei gemeinschaftlich genutzt. Ursprungsgedanke war neben der vollständigen Ausschöpfung des begrenzten Wohnraumes, der z. B. in Sankt Petersburg stets sehr knapp war, auch die Förderung des Gemeinschaftsgefühls. Die Umsetzung war und ist jedoch mit zwischenmenschlichen Herausforderungen verbunden.

© Abbildungen designed by Hendrik Scheel
In dem im Berliner Ballhaus Ost stattfinden "Osteuropa-Spektakel" wurde der Begriff "Kommunalka" als Übersetzungsprinzip für das Thema Migration und mehr noch: als Programm genutzt. Mittels verschiedenster künstlerischer Darstellungsformen erzählten in Berlin lebende Osteuropäer ihre persönliche Geschichte. Dazu waren im Vorfeld rund 40 Interviews geführt worden, die die Materialgrundlage für die Theater- und Musikstücke, Performances, Radiobeiträge etc. bildeten. Einige der Künstler richteten für die Veranstaltung sogar Lebens- und Aktionsräume ein, um für die Rezipienten direkt greifbar zu werden. So gab es das Zimmer des bulgarischen Opernsängers, des polnischen Dichters, den russischen Friseursalon oder den polnischen Metzgerladen.
Die Zuschauer hatten darüber hinaus noch weitere Möglichkeiten, einbezogen zu werden: Am Veranstaltungsort boten sich unterschiedlichste Gelegenheiten, gemeinsam zu sprechen, kochen, essen, tanzen etc. Das osteuropäische Lebensgefühl und die Atmosphäre wurden mit diesem Ereignis in geballter Form erfahrbar gemacht.
Veranstaltungsort: Ballhaus Ost, Berlin
Veranstaltungszeitraum: 3. - 5. Juni 2010
Projektpartner: Kommunalka c/o Jürgen Schulz