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Schwerpunkt Russland mit Inszenierungen von Regisseuren unterschiedlicher Generation

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Theater der Welt 2005: "Genesis Nr. 2"

Vom 16. Juni bis zum 10. Juli 2005 präsentiert Theater der Welt 2005 in Stuttgart mit 30 Schauspiel-, Tanz-, Musik- und Figurentheaterproduktionen aus 19 Ländern einen umfassenden Einblick in das internationale Theater. Neben Gastspielen und Koproduktionen aus Australien, Belgien, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Indien, Japan, Kanada, Mali, Neuseeland, den Niederlanden, Österreich, Schweden, der Schweiz, Südafrika, der Türkei, Ungarn und den USA bilden drei Inszenierungen aus Russland einen Schwerpunkt des Programms. Mit den jüngsten Arbeiten von Eimuntas Nekrosius, Dmitry Chernyakov und Iwan Wyrypajew stehen drei Inszenierungen im Programm, die auf je unterschiedliche Weise und aufgrund ihrer je eigenen Künstlerbiographie exemplarisch die kulturellen Brüche und Umbrüche eines Landes reflektieren, das zwischen Tradition und Moderne zerrissen ist.

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Theater der Welt 2005: "Der Kirschgarten"

Die Biographie des von der internationalen Theaterkritik gefeierten Regisseurs Eimuntas Nekrosius aus Litauen bündelt die kulturellen Bruchlinien der osteuropäischen Zeitgeschichte. Geboren 1952 in der damaligen Teilrepublik der UdSSR, wurde Nekrosius an einem Moskauer Eliteinstitut zum Regisseur ausgebildet. In der Sowjetunion orientierten sich die Künstler der baltischen Länder nach Westeuropa. Als Mitte der 80er Jahre vor allem die jüngere Generation im Baltikum offen gegen die Dominanz der russischen Kultur aufbegehrte, wurde Nekrosius durch seine Inszenierungen in litauischer Sprache und mit litauischen SchauspielerInnen zum Protagonisten eines jungen, litauischen Nationaltheaters. Mit Cechovs "Kirschgarten" gelang ihm mit seiner ersten Inszenierung in Russland mit dem namhaften Ensemble der Stanslawsky Foundation auf Anhieb ein preisgekröntes Meisterwerk. (Internationale Premiere am 19. Juni 2005 im Schauspielhaus Staatstheater Stuttgart. Weitere Vorstellungen am 20. und 21. Juni 2005.)
Während Nekrosius vor allem durch die Abkehr von der Sowjetunion geprägt wurde, gehört Dmitry Chernyakov einer Generation an, die das alte Regime in seiner Verfallsphase und seinem Zusammenbruch erlebt haben. Seine Inszenierung von Marivaux' "Unbeständigkeit auf beiden Seiten", die er am Theater Globus in Novosibirsk 2004 herausbrachte, nennt er im Untertitel denn auch eine "postkommunistische Tragikomödie". Weit über die psychologische Delikatesse der Vorlage hinausgehend treibt der Regisseur sein hervorragendes Schauspielensemble in ein hochpolitisches Spiel. Momente äußerster Intimität werden durch einen ebenso einfachen wie feinsinnigen Kunstgriff einer nahezu gewalttätigen Öffentlichkeit ausgesetzt. Chernyakov wurde im vergangenen Jahr für diese Inszenierung beim Moskauer Festival Goldene Maske mit dem ersten Preis in der Kategorie "Bestes Kammerspiel" ausgezeichnet. (Internationale Premiere am 25. Juni 2005 im Kammertheater der Staatstheater Stuttgart. Weitere Vorstellung 26. - 29. Juni 2005)

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Theater der Welt 2005: "Unbeständigkeit auf beiden Seiten"

Eine Generation später geboren ist Iwan Wyrypajew, Jahrgang 1974 und entsprechend düster und zugleich offen ist sein Bild einer russischen Wirklichkeit am Rande des Chaos und der Auflösung. Aus Texten, Dialogen, Kommentaren und Zitaten seiner lebhaften Korrespondenz mit einer jungen Patientin einer psychiatrischen Klinik entwickelt der Autor, Performer und Regisseur seine Genesis Nr. 2 über einen radikal anderen Blick auf die Welt und ihren Mangel an existentiellen Gewissheiten. Mit poetischen Dialogen, kurzen dramatischen Szenen, fröhlich-derben Liedern und mitreißender Bajanmusik erzählen die frechen Bibelforscher um Wyrypajew die frohe Botschaft aus einem Sodom und Gomorrha unserer Tage (Internationale Premiere am 7. Juli 2005 im Kammertheater der Staatstheater Stuttgart. Weitere Vorstellungen am 8. und 9. Juli 2005). Im Rahmen des Schwerpunktes ist eine Diskussion über das zeitgenössische Theater im postkommunistischen Russland geplant.
16. Juni bis 10. Juli 2005 in Stuttgart. http://www.theaterderwelt.de / Kartentelefon: 0711.20 20 90
 
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