
Internationales Kompositionsseminar 2008/2009
Eine Initiative der Allianz Kulturstiftung in Kooperation mit dem Ensemble Modern, Frankfurt/Main.
Rezension der Uraufführungen in München
"... Diese Einrichtung ist großartig. Eigentlich könnte sich ja das in Frankfurt beheimatete Ensemble Modern damit zufrieden geben, weltweit eines der führenden Ensembles für zeitgenössische Musik zu sein..."
Die Allianz Kulturstiftung unterstützte eines der ersten Projekte der Internationalen Ensemble Modern Akademie (IEMA) und schaffte damit gleichzeitig ein Qualifizierungsangebot, das auf europäischer Ebene einmalig ist. Denn gerade für junge Komponisten gestaltet sich der Berufseinstieg oft schwierig: Die Ausbildung erfolgt meist an Hochschulen, an denen es nicht die Möglichkeit gibt, mit professionellen Ensembles zusammenzuarbeiten.
Das Internationale Kompositionsseminar der IEMA wollte diese Diskrepanz aufheben, indem es ein gemeinsames Lernen und Arbeiten in einem professionellen und internationalen Kontext ermöglichte. Im Rahmen des Seminars sind dabei neue dirigierte Ensemble-Werke entstanden und wurden uraufgeführt. Ausgangspunkt war der Wunsch des Ensemble Modern nach Weitergabe des eigenen Erfahrungsschatzes und der professionellen Begleitung von Nachwuchstalenten sowie das Interesse, mit der heranwachsenden internationalen Komponisten- und Dirigentengeneration gemeinsame Projekte zu entwickeln. Die Akademie diente nicht nur als Lehr- und Lernstätte, sondern wesentlich auch als ein Ort der Forschung, Begegnung, des Austausches und der öffentlichen Präsentation.
Das diesjährige Kompositionsseminar wird von dem Komponisten und Dirigenten Johannes Kalitzke geleitet. Hier ein Probenfoto mit dem Ensemble Modern, dirigiert von Daan Janssens und angeleitet von Johannes Kalitzke (links). © IEMA 2008
Das Kompositionsseminar 2008/2009
Aus über 100 Bewerbungen wurden dieses Mal 6 Komponisten und 2 Dirigenten ausgewählt, unter der Leitung der Komponisten und Dirigenten Johannes Kalitzke am Kompositionsseminar teilzunehmen. In der ersten Arbeitsphase (30.10.-02.11.2008) präsentierten die Teilnehmer ihre Kompositionsideen und nahmen an Instrumentalworkshops der Musiker des Ensemble Modern teil, bei denen es um folgende Fragestellungen ging: Was ist auf einem Instrument möglich, welche Klangfarben entstehen in welchen Registern, und wie wirkt sich dieses im Gesamtklang eines Ensembles aus? Die zweite Arbeitsphase vom 5.-12. Mai 2009 konzentrierte sich auf den Probenprozess der dann vorliegenden 6 Uraufführungspartituren. Die neuen Kompositionen wurden zum Abschluss in Frankfurt und München aufgeführt.
Abschlusskonzerte in Frankfurt und München am 10./12. Mai 2009
Die Abschlusskonzerte des Internationalen Kompositionsseminars 2008/2009 mit dem Ensemble Modern fanden Anfang Mai in Frankfurt und München statt: Am Sonntag, 10. Mai 2009, 20.00 Uhr im Haus DEA in Frankfurt sowie am Dienstag, 12. Mai 2009, 20.00 Uhr in der Muffathalle in München.
Präsentiert wurden:
- Blai Soler: D’Amor I Mort (2009)
- Johannes Kreidler: Kantate. No future now (2009)
- Oscar Bianchi: Vishuddha Concerto (2009)
- Anthony Cheung: Hyperbaton (2009)
- Chikage Imai: Simulgenesis (2009)
- Leopold Hurt: FLEX (2009)
Dirigenten und Klangregie
Dirigiert wurden die sechs Uraufführungen von den zwei Teilnehmern in der Sparte Dirigente, Gwennolé Rufet und Daan Janssens sowie vom diesmaligen Leiter des Seminars, Johannes Kalitzke, für die Klangregie sorgte Felix Dreher.
In der ersten Phase erweiterten die Komponisten ihre Klangvorstellungen in Workshops mit Musikern des Ensemble Modern. Hermann Kretzschmar demonstriert hier neue Töne am Flügel mit einer Eisenkette. © IEMA 2008
Rückblick auf das Kompositionsseminar 2006/2007
Das Seminar fand in zwei Blöcken (September 2006 und Februar 2007) statt. Dabei wurden musikalische Inhalte und Ansätze vor dem Hintergrund ästhetischer Fragestellungen und damit in Zusammenhang stehender Kompositionstechniken analysiert und vermittelt. Dieser Prozess soll Impulse für die Entstehung neuer Kompositionsformen fördern. Ausgehend von einem interdisziplinären Ansatz waren deshalb neben acht eingeladenen Komponisten aus verschiedenen Ländern auch zwei Dirigenten sowie zwei Musikwissenschaftler beteiligt gewesen, die den Schaffensprozess dokumentierten.